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Jahresabschluss der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH: Zuversicht trotz Fehlbetrag

von Janin Meyer-Simon

Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel und Veränderungen im Freizeitverhalten – die Unternehmensgruppe der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH (SG) steht weiterhin vor großen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Auch das Geschäftsergebnis der hundertprozentigen Tochter der Stadt Gelsenkirchen zeigt, dass in den nächsten Jahren Effizienz und Kreativität gefragt sind, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Trotz allem ist die Geschäftsführung überzeugt, dass sich die SG-Gruppe auf dem richtigen Weg befindet und schaut mit Zuversicht auf das Jahr 2018.

Gelsenkirchen, 15. Juni 2018.

Die SG-Gruppe (Sport-Paradies und Bäder, ZOOM Erlebniswelt, emschertainment, Gelsen-Log. und Gelsen-Net) schließt das Geschäftsjahr 2017 mit einem Fehlbetrag in Höhe von rund 947.000 Euro ab (Vorjahresfehlbetrag: 723.000 Euro). Grund hierfür war ein ungeplanter Einmaleffekt in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Bereinigt um diesen Effekt ist das eigentliche Geschäftsergebnis der SG-Gruppe mit einer knappen Million Euro positiv. 

Neue Geschäftsmodelle und Effizienzsteigerungspotenziale, die Optimierung einzelner Unternehmensprozesse sowie Anpassungen interner organisatorischer Strukturen waren die Kernpunkte, mit denen sich die SG-Gruppe im Geschäftsjahr 2017 beschäftigte und auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen wird.  

"Die Stadtwerke-Welt hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die SG-Gruppe bedeutet diese Situation, dass sich alles im stetigen Wandel befindet. Diese anspruchsvollen Zeiten sehen wir aber auch als Chance, noch besser zu werden. Gemeinsam mit unserem kommunalen Gesellschafter, der Stadt Gelsenkirchen, passen wir uns erfolgreich an das neue Marktumfeld an und investieren stark in Zukunftsthemen rund um neue Technologien und das Thema Digitalisierung", betont Ulrich Köllmann, Geschäftsführer der SG-Gruppe.

Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Erhöhung der Bilanzsumme um 6 Millionen Euro auf rund 227 Millionen Euro. Investitionen werden vor allem im Bereich der Telekommunikations-, Strom- und Gasnetze getätigt. Dies stellt eine wichtige Grundlage dar, um zukunftsorientierte Projekte anzustoßen und etablierte Geschäftsmodelle zu sichern.

Insgesamt waren in der SG-Gruppe im letzten Jahr 742 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Der beruflichen Aus- und Weiterbildung misst die SG-Gruppe eine hohe Bedeutung bei. So befanden sich im Jahr 2017 58 Jugendliche (2016: 44 Personen) in der Berufsausbildung.

Erlöse aus dem Energiegeschäft

Wie bereits in den Vorjahren erzielte die SG auch in diesem Jahr positive Ergebnisse aus der Verpachtung der Strom- und Gasnetze an die Emscher Lippe Energie GmbH. Im Geschäftsjahr 2017 lagen die Umsatzerlöse mit über 14,7 Millionen Euro rund 300.000 Euro über dem Niveau des Vorjahres. Die Erlöse aus der Wärmeversorgung in den Ortsteilen Resse und Hassel sanken um 15.000 Euro auf 647.000 Euro.

Sport-Paradies und Bäder: Blick in die Zukunft

Mit 5 Schwimmstätten und einer Eishalle stellt die SG Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen der Stadt ein sehr umfangreiches Angebot für aktive Freizeitgestaltung bereit. Mehr als 633.000 Schwimm- und Saunagäste nutzten 2017 die Angebote der Gelsenkirchener Bäder (2016: rund 650.000). Eine positive Entwicklung wurde bei den Aquafitness-, Wassergewöhnungs- und Schwimmkursen verzeichnet. Bei einem nahezu identischen Angebotsvolumen lag die Auslastung dieser Kurse bei rund 84 Prozent.

Die Bäderlandschaft  erwirtschaftete 2017 Umsatzerlöse in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro.

In Gelsenkirchen ist vieles in Bewegung und auch der Bäderbetrieb steht vor großen Herausforderungen. In vielen Bädern besteht Sanierungs- und Erneuerungsbedarf. Die Entwicklung eines Zukunftsmodells für die Bäder in Gelsenkirchen soll die Zukunftsfähigkeit der Gelsenkirchener Bäderlandschaft besiegeln. Eine wegweisende Entscheidung in den politischen Gremien der Stadt Gelsenkirchen wird Mitte Oktober erwartet. Die eingerichtete Steuerungsgruppe hofft dann mit der konkreten Planung und Umsetzung beginnen zu können.

ZOOM Erlebniswelt: Voller Eventkalender und spannende Highlights

Rund 752.000 Besucher begaben sich im vergangenen Jahr auf die „Weltreise an einem Tag“ (2016: 792.000). Damit bleibt die ZOOM Erlebniswelt einer der beliebtesten Zoos in ganz NRW. Zu den treuesten Fans des Ausflugziels gehören die über 22.000 Dauerkartenbesitzer.

Die Umsatzerlöse konnten in der ZOOM Erlebniswelt trotz Besucherrückgang um 1 Prozent  gesteigert werden (2017: rund 12,9 Millionen Euro). Durch die Intensivierung der vertrieblichen Aktivitäten und weitere attraktivitätssteigernde Maßnahmen wird angestrebt, dauerhaft hohe Besucherzahlen erreichen zu können und die Umsatzerlöse zu steigern.

Der Veranstaltungskalender hatte auch im letzten Jahr wieder einiges zu bieten. Highlight der Eventreihe war das große Sommerfest am 1. und 2. Juli. Spannende Abenteuer, unmittelbare Tierbegegnungen sowie Spiel und Spaß warteten hier auf die großen und kleinen Besucher. Als EAZA-Zuchtbuchführer für Giraffen in europäischen Zoos widmete die ZOOM Erlebniswelt den langhalsigen Schönheiten mit dem „World Giraffe-Day“ am 25. Juni eine eigene Veranstaltung. Ein Erlebnistag rund um die EAZA-Kampagne am 21. Mai komplettierte das Engagement zum Arten- und Naturschutz. Im Jahr 2017 sorgte zudem das beliebte Halloween-Fest in der ZOOM Erlebniswelt wieder für schaurig-schöne Stunden. Pünktlich zum 31. Oktober verwandelten Lichter und Dekoration das Areal in eine gespenstische Landschaft mit Gruselfaktor.

Mit einem neuen Besuchermagazin stellte die ZOOM Erlebniswelt den digitalen Neuerungen und innovativen Technologien, die in den letzten zwei Jahren Einzug in „Afrika“, „Alaska“ und „Asien“ erhielten, ein analoges Printmedium gegenüber. In dem rund 30 Seiten starken Heft LOOK werden Leser über Neuigkeiten, Highlights der Saison sowie Geheimtipps informiert. Zoologische Themen werden durch spannende Infografiken und große Bilder aufbereitet und leserfreundlich zur Verfügung gestellt. Die aktuellste Ausgabe des Magazins LOOK liegt für alle Interessierten in der ZOOM Erlebniswelt kostenfrei aus.

Mitte des Jahres eröffnete der Zoo außerdem eine neue Anlage für Zwergmangusten in der Erlebniswelt Afrika. In ihrem neuen Revier fühlten sich die vier erwachsenen Tiere so wohl, dass es im letzten Jahr direkt zwei Mal Nachwuchs gab. Auch bei den Eisbären kam endlich der langersehnte Nachwuchs zur Welt. Am 04. Dezember wurde Eisbärmädchen Nanook von Mutter Lara geboren. Den ersten Ausflug genoss die kleine Eisbärin mit reichlich Presseaufkommen Anfang April 2018. 

emschertainment: Auslastung der Veranstaltungen liegt bei fast 90 Prozent

Eine vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) in Auftrag gegebene und von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführte Studie zur Veranstaltungswirtschaft in Deutschland für das Jahr 2017 kommt zu dem Ergebnis, dass der Entertainment-Sektor einen deutlichen Besucherrückgang von 13 Prozent hinnehmen musste. Gleichzeitig stiegen die Eintrittspreise im Vergleichszeitraum um über 30 Prozent.

Die emschertainment GmbH wurde in ihrem Veranstaltungsgeschäft von den beiden Entwicklungen glücklicherweise nicht maßgeblich getroffen. So blieb die Auslastung weiterhin bei fast 90 Prozent und auch die Eintrittspreise stiegen nur im einstelligen Prozentbereich. Besonders bemerkenswert war 2017, dass sich speziell die älteren Künstler eines enormen Zuspruchs erfreuten. So waren die Konzerte von Reinhard Mey weit im Voraus ausverkauft, was auch für das Abschiedskonzert von Hannes Wader in der Emscher-Lippe-Halle galt.

Die Emscher-Lippe-Halle ist 2017 nach ihrer vorübergehenden Nutzung als Flüchtlingsunterkunft in den Vorjahren wieder vollständig ins Veranstaltungsgeschäft zurückgekehrt. Die Shows von Ralf Schmitz, Marry Roos & Wolfgang Trepper, Paul Panzer, Johann König sowie Markus Krebs erfreuten sich starker Akzeptanz durch die Besucher. Auch die KAUE und das Hans-Sachs-Haus gehören nach wie vor zu den arrivierten Veranstaltungsorten in Gelsenkirchen. Insgesamt absolvierte die emschertainment 2017 über 180 Veranstaltungen in diesen Häusern.

Die Gastronomie-Sparte der emschertainment hat bereits im letzten Jahr auf ein neues gastronomisches Konzept umgestellt. Die RYOKAN Gastronomie verabschiedete sich von ihrem regelmäßigen à-la-carte Abendgeschäft und öffnete das Restaurant hierfür nur noch freitags, samstags und sonntags. Im Zuge der neuen Ausrichtung wird seit dem 1. Januar 2018 auf das abendliche à-la-carte Angebot gänzlich verzichtet und das Angebot als Veranstaltungslocation weiter ausgebaut. Auch die Tagesgastronomie der Zoobesucher soll in Zukunft auf eine Gastronomie mit Selbstbedienung umgestellt werden. Mit diesen Umsetzungen optimiert die emschertainment weiter ihre Strukturen und Prozesse, um die Wettbewerbsfähigkeit der Geschäftsbereiche fortlaufend zu verbessern und langfristig abzusichern.

Gelsen-Log.: Hafenumschlag deutlich gestiegen

Die Gelsenkirchener Logistik-, Hafen- und Servicegesellschaft mbH, kurz Gelsen-Log., konnte die Marktposition wie geplant weiter stärken und die Erlössituation auf insgesamt 7,1 Millionen Euro verbessern. Die deutliche Verbesserung ist insbesondere auf den Anstieg der Umsatzerlöse im Hafen- und Hafenbahnbetrieb aufgrund der Erhöhung des mengenmäßigen Warenumschlags zurückzuführen. Die vom Best Western Hanse Hotel erzielten Umsatzerlöse bewegen sich auf dem Niveau des Vorjahres.

Das geplante Umschlagaufkommen der Gelsen-Log. von 1,89 Millionen Tonnen wurde im Geschäftsjahr um 269.868 Tonnen übertroffen (Vorjahreswert: 1,88 Millionen Tonnen). Der mengenmäßige Warenumschlag der Sparte Hafenbetrieb lag um 21,4 Prozent über dem Vorjahreswert, im Hafenbahnbetrieb um 5,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Mehrmengen sind hauptsächlich im Flüssiggutumschlag und im Getreideumschlag zu verzeichnen. Der Hafen Gelsenkirchen gilt als einer der wichtigsten Mineralöl- und Getreideumschlagsplätze im mittleren Ruhrgebiet.

Das BEST WESTERN Hanse Hotel in Warnemünde konnte trotz eines verregneten Sommers und dem damit einhergehendem Ausbleiben von kurzentschlossenen Gästen die Auslastung vom Vorjahr halten. Erfreulich entwickelt sich erneut die Durchschnitts-Zimmerrate und zeigt mit einem Plus von 3,67 Euro je verkauftem Zimmer, dass die Investitionen der letzten Jahre durch die Vereinheitlichung der Zimmerkategorien Früchte tragen. Zur strategischen Ausrichtung des Hotels gehört auch weiterhin der Eigenvertrieb. Dies gewährleistet, dass die Kosten für Provisionen möglichst gering gehalten werden.

Gelsen-Net: Auf sicherem Weg in die Zukunft

Als zukunftsorientierter IT-Systemdienstleister investiert die Gelsen-Net Kommunikations-gesellschaft mbH seit Jahren verstärkt in den Ausbau des Glasfaserkabelnetzes. Das Tochterunternehmen hat frühzeitig erkannt, dass es für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg unumgänglich ist, neue, nachhaltig profitable Erlösquellen zu erschließen.

Über 750 Kilometer Glasfasertrassen wurden bereits in den Städten Bottrop, Gelsenkirchen, Gladbeck und Herten verlegt. Im Geschäftsjahr 2017 wurden über 130 Kilometer Tiefbauarbeiten durchgeführt, um die Lichtwellenleiter zu verlegen. Von dieser Glasfaserausbauinitiative profitierten in den letzten Jahren die verschiedensten Bedarfsgruppen. So gelang es, sämtliche Grund- und weiterführenden Schulen der Stadt Gelsenkirchen mit einer Glasfaserversorgung auszustatten. Alle 86 Schulen in Gelsenkirchen sind derzeit am Glasfasernetz und verfügen über eine Bandbreite von jeweils 1 Gbit/s. Eine Strategie, die aktuell auf die Kindertagesstätten ausgeweitet wird.

Ein weiteres Highlight konnte im November 2017 in der Zusammenarbeit mit der Stadt Gelsenkirchen vorgestellt werden. „Free WiFi Gelsenkirchen“ ist die größte WLAN-Hotspot-Meile des Ruhrgebiets. Unter anderem die beiden Gelsenkirchener Innenstädte – die City und Buer – sind zu großen zusammenhängenden Free WiFi-Zonen ausgebaut worden, die jeder kostenlos, einfach und ohne Registrierungszwang mit einem Click benutzen kann. Möglich machen das über 260 Hotspots, die das städtische Telekommunikationsunternehmen Gelsen-Net im Stadtgebiet installiert hat.

Veränderungen wird es in der Beteiligungsstruktur bei Gelsen-Net geben. Im Dezember 2017 hat die Gelsenwasser AG – im Rahmen einer Kapitalerhöhung – 25,1 Prozent der Geschäftsanteile der Gelsen-Net erworben. Die SG behält mit 74,9 Prozent die Mehrheit an Gelsen-Net. Ziel der Beteiligung ist es, dass die beiden Gelsenkirchener Unternehmen – Gelsen-Net und Gelsenwasser AG – künftig kooperieren, dabei die Vorteile und Kernkompetenzen der Unternehmen vernetzen und die vorhandenen Ressourcen und Kapazitäten zum gemeinsamen Wohl der Gesellschaften einsetzen. Der Vertrag steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kommunalaufsicht.

Die Zukunft fest im Blick: Kostensenkung und Prozessoptimierung im Zentrum

Der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der SG sind überzeugt, dass die SG-Gruppe mit einem Veränderungsprozess und neuen Geschäftsmodellen die Zukunftsfähigkeit der Unternehmensgruppe sicherstellen und ausbauen kann. Die Kernpunkte, die dabei in den nächsten Geschäftsjahren eine Rolle spielen, sind Kostensenkung, Angebotserweiterungen und Prozessoptimierungen.

Dr. Klaus Haertel, Aufsichtsratsvorsitzender der SG: "Der Aufsichtsrat unterstützt die notwendigen Maßnahmen und hat die Geschäftsführung darin bestärkt, die Unternehmensgruppe weiterhin umfassend und zügig an das dynamische Marktumfeld anzupassen. Wir sind uns sicher, dass zum Beispiel das Thema Digitalisierung zu gravierenden Veränderungen ganzer Geschäftsfelder führen wird. Und da wollen wir als kommunales Unternehmen nicht Zuschauer, sondern Akteur sein."

Das unterstreicht auch Ulrich Köllmann, Geschäftsführer der SG-Gruppe: "Auch wenn die nächsten Jahre schwierig werden, ist unser Blick nach vorn gerichtet. Viele Fortschritte haben wir schon erzielt. Noch sind nicht alle anspruchsvollen Ziele erreicht. Es gibt viele Möglichkeiten unsere Unternehmensgruppe gemeinsam weiterzuentwickeln und ihr Zukunftspotenzial zu stärken. Das Fundament sind unsere Mitarbeiter und ich bin froh, dass wir darauf vertrauen können, dass wir gemeinsam mit unserer Belegschaft die SG-Gruppe wieder auf Kurs bringen."

Auf zukunftsweisende Pläne setzt auch Gelsen-Net. Das Telekommunikationsunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2020 rund 20 Prozent der Haushalte in Gelsenkirchen mit einem direkten Glasfaseranschluss (Fiber-to-the-home, FTTH) zu versorgen. In rund 7.500 Wohnungseinheiten hat Gelsen-Net dies bereits realisiert und der Glasfaseranschluss gehört, wie ein Wasser- und Stromanschluss, bereits zum Basisangebot der Wohnung.

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